Freitag, 21. Dezember 2018
Heute schon in den digitalisierten Energiehandel einsteigen
Welche Rolle kann Blockchain spielen?

Der Ausbau der regenerativen Energie und der Kostendruck in der Beschaffung haben zur Folge, dass Handel und Beschaffung von Energieprodukten deutlich komplexer, kurzfristiger und agiler geworden sind. Der Trend bei neuen Produkten wird hierbei stark durch den Strukturwandel aus erneuerbaren Energien getrieben. Insbesondere die ausgeprägte Dynamik in den Kurzfristmärkten, die auch zu einer höheren Vernetzung innerhalb der einzelnen Märkte führen wird, wird die diesbezüglichen Transaktionszahlen weiter steil ansteigen lassen. Hieraus ergeben sich entsprechende Anforderungen für die zugrunde liegenden Handelssysteme. Schon jetzt sieht man deutliche Entwicklungen von Digitalisierung und algorithmischem Handel. Dieser Trend wird sich weiter verstärken, speziell auch in den Kurzfristmärkten. Die notwendige Kombination von Flexibilität, Lastmanagement und ähnlichen Elementen der Kurzfristmärkte werden als Konsequenz der in erheblichem Maße stattfindenden Dezentralisierung dafür sorgen, dass diese immer stärker als vernetzte Strukturen optimiert und gesteuert werden müssen. Daher ist eine höhere Digitalisierung im Handel unbedingt notwendig und sollte bereits heute angestrebt werden.


Vor allem das Thema Blockchain ist in diesem Zusammenhang immer wieder im am Markt zu hören.


Aber was versteht man unter Blockchain?


Ursprünglich wurden Blockchains entwickelt, um mit der virtuellen Währungen wie Bitcoin im Internet sicher bezahlen zu können – und zwar ohne Umwege, also ohne, dass Kreditinstitute zwischengeschaltet werden müssen. Eine direkte Transaktion zwischen Käufer und Verkäufer.


Damit eine solche Transaktion sicher abgewickelt werden kann, wird ein dezentrales und vertrauenswürdiges Netzwerk benötigt. Die Daten über Zahlungssender, -empfänger und -höhe werden nicht nur auf den beiden Rechnern von Käufer und Verkäufer, sondern zusätzlich in einer dezentralen Datenbank gespeichert. Diese besteht aus einem Netzwerk von beliebig vielen Rechnern anderer Nutzer. Die Daten der Transaktion werden verschlüsselt, sodass niemand außer den beiden Beteiligten die Details einsehen kann. Anschließend wird die Transaktion als Datenblock auf allen Rechnern des Netzwerks gespeichert. Jeder neue Datenblock übernimmt dabei Informationen aus dem vorherigen, an den er angehängt wird. Dadurch entsteht nach und nach eine Kette, in der jeder „Block“ mit allen vorherigen untrennbar verbunden ist. Alle an einer solchen Transaktion beteiligten Rechner kontrollieren ständig, ob alle Kettenglieder zusammenpassen. Wer also die Daten einer Transaktion – und damit eines Blockes – verändern wollte, müsste die ganze Kette auf allen Rechnern gleichzeitig manipulieren – ein immenser Aufwand, der die Blockchain-Technologie besonders sicher macht.


Auch im Energiesektor bieten sich zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten für Blockchain-Technologien, zum Beispiel um dezentral erzeugte Energie direkt dezentral zu verteilen. Erste Pilotprojekte laufen bereits: Eines der bekanntesten dürfte das "Brooklyn Microgrid"-Projekt in New York sein. Hier sind im April 2016 erstmals zehn Häuser zu einem dezentralen Stromnetz zusammengeschaltet worden. Fünf von ihnen verfügen über eine Solaranlage auf dem Dach, die anderen fünf nicht. Der Strom, den die Häuser mit Solaranlagen nicht selbst verbrauchen, wird an die fünf anderen Häuser verkauft. Zusammen mit Smart Meter, die den Stromfluss erfassen, und Smart Contracts, mit denen die vertraglichen Vereinbarungen selbstständig ausgeführt werden, sorgt die Blockchain dafür, dass die Transaktionen von Strom und dem dafür zu zahlenden Betrag sicher und auf direktem Wege zwischen den beteiligten Haushalten durchgeführt werden können.


Bereits 2017 sind die ersten Handelsaktivitäten auf dem europäischen Energiemarkt mittels Blockchain durchgeführt worden. Keine übliche zentrale Handelsplattform oder Börse diente hier der Geschäftsabwicklung zwischen den beiden involvierten europäischen Energieversorgern. Zum ersten Mal wurde Strom über einen neuen Marktplatz, der die Blockchain-Technologie nutzt, auf diese Weise peer-to-peer (P2P) gehandelt. Die Blockchain erlaubt es Handelspartnern, in Sekunden Geschäfte direkt untereinander abzuwickeln. Nach bisherigen Abwicklungsmethoden ist hierfür ein zentraler Vermittler erforderlich. Durch den von solchen weiteren Partnern befreiten, direkten Handel sinken auch die Handelskosten und somit die Kosten der Strombeschaffung. Dies stellt eine deutliche Kostensenkung dar, die zukünftig auf die Margen einzahlt.


Mittlerweile haben sich in Europa mehr als 40 Energiehandelsunternehmen zu einem P2P-Netzwerk zusammengeschlossen, um diese Technologie weiter voranzubringen. Es wird eine dezentrale Handelsplattform zwischen den Marktteilnehmern betrieben, über die Order P2P ausgetauscht werden. Hierbei nimmt die zugrunde liegende Blockchain-Technologie eine zentrale Rolle ein. Die Marktteilnehmer können zu diesem Zweck selbst Blockchain-Knoten betreiben, so dass sie für den operativen Betrieb nicht auf Dritte angewiesen sind. Die Teilnehmer dieses Netzwerks arbeiten derzeit daran, den dezentralen Handel eigenständig zu betreiben und für den produktiven Handel zu nutzen.


Aber wie kann es weiter gehen?


Durch den Einsatz von Smart Meter, dem Internet of Things (IoT) und dem weiteren Ausbau von erneuerbarer Energie und dezentraler Prosumer wird der Kurzfristhandel weiterhin zunehmen und die gehandelten Mengen kleinteiliger werden.


Aufgrund der sinkenden Handelskosten ist der nächste Schritt, dass vermehrt auch auf den P2P Plattformen der algorithmische Handel mit sog. Algo-Tradern startet. Hierüber wickelt jeder Händler tausende Kontrakte pro Tag nach vorgegebenen Algorithmen ab, die automatisiert auf die Plattform gestellt werden.

Daran würde sich der autonome Handel anschließen. Hierbei wird mittels künstlicher Intelligenz (KI) anhand von diversen Prognosen (Verbrauch, Erzeugung, Wetter, Jahreszeit) der Handel automatisch vollzogen. Das Handelssystem wird durch seine Handelserfolge weiter lernen und die Handelsergebnisse anpassen und verbessern. In diesem Stadium sind nicht nur Händler an die P2P-Handels-Plattform angeschlossen. Vielmehr werden sich auch immer mehr Prosumer direkt am P2P-Handel beteiligen.

Bereits heute ist für den Energiehandel wichtig, die Grundlagen für die Digitalisierung zu legen und die Handelssysteme vorzubereiten. Sprechen Sie uns an. Wir stehen Ihnen gerne mit unserer Expertise beratend zur Verfügung.