Mittwoch, 12. Juni 2019
Mehraufwand Mako 2020 – Mögliche Strategie eines kleineren EVU

Die am 01.12.2019 in Kraft tretende Interimslösung der Marktkommunikation 2020 (Mako 2020) stellt absehbar kleinere Energieversorgungsunternehmen (EVU) vor weiteren wirtschaftlichen Herausforderungen - Stellt doch bereits heute der Messstellenbetrieb mittelfristig betrachtet betriebswirtschaftlich kein profitables Geschäftsfeld dar, was mit der Umsetzung der Mako 2020 nochmals zunehmend verschärft wird.

Denn eins ist klar. Die Umsetzung der Mako 2020 führt zwangsläufig zu einer notwendigen Personalaufstockung oder zu einem erhöhten Einkaufsbedarf externer Dienstleistungen im Markt, um den erhöhten Arbeitsaufwand zur Abwicklung dieser neuen Prozesse zu decken. Dies gilt insbesondere für kleinere EVU, die im Gegensatz zu größeren Unternehmen keine freien Personalressourcen wirtschaftlich vorhalten können. Außerdem bedarf es kostenintensiver IT-Projekte, um die bestehende System- und Hardwarelandschaft entsprechend der neuen Anforderungen zu ertüchtigen. Basierend auf den Erfahrungen zur Einführung der GPKE und GeLi Gas ist hierbei realistisch von einem erhöhten Arbeitsaufwand von ca. 1 bis2 Jahren auszugehen, bis sich die Mako 2020 Betriebsprozesse in die Organisation einschleifen und prozessgesteuert über IT gestützte Batchjobs ohne Störung funktionieren werden. Dies gilt insbesondere für die Neuerungen, bei denen die GPKE und GeLi Gas zukünftig auseinanderlaufen werden, wie z.B. die rückwirkende Umzugsmöglichkeit, die absehbar zu vielen bilaterale Klärungen führen wird, die wiederrum zeit- und kostenintensiv sind.

Ein kritischer Punkt sind die verkürzten Bearbeitungsfristen in den neuen Prozessen, die nach den Erfahrungen aus der GPKE/ GeLi Gas Einführung höchstwahrscheinlich zu einem Bearbeitungsstau führen werden. Vor allem dann, wenn, wie bei kleinen EVU, die fristkritischen Bearbeitungstätigkeiten personell nicht mit entsprechenden Vertretungsregelungen abgedeckt sind.

Aus den genannten Gründen müssen kleinere EVU Lösungen für die Abdeckung des skizzierten Mehraufwandes gerade in der Anfangsphase der Mako 2020 finden. Ein Ansatz hierfür bilden Kooperationen von Energieversorgern, die mit dem gleichen IT-System arbeiten und im Bedarfsfall zu einem vereinbarten Entgelt Personalressourcen untereinander bereitstellen. Neben eintretenden Synergieeffekten hat ein EVU zudem die Entscheidungsfreiheit, Tätigkeiten, die zukünftig aufgrund entsprechender Automatisierung mit geringerem Arbeitseinsatz zu tätigen sind, durch das vorhandene Personal oder dauerhaft durch den Dienstleister abzudecken.

Gastbeitrag:  Arno Hochstätter, Prokurist und kaufmännischer Leiter der Stadtwerke Groß-Gerau Versorgungs GmbH.