Mittwoch, 12. Juni 2019
Herzlichen Glückwunsch!
Das Erneuerbare-Energien-Gesetz wird 20 Jahre alt. Der Geburtstag kann auch Sie betreffen!

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) wird 20 Jahre alt – zum 1. Januar 2021 werden die ersten Photovoltaik- und Windkraftanlagen aus der auf 20 Jahre befristeten EEG-Förderung herausfallen. Dies betrifft zunächst die Anlagen, die bis zum 31.12.2000 in Betrieb gesetzt wurden. So fallen bereits im ersten Jahr über 4.000 MW aus der Förderung. In den Folgejahren kommen sukzessive weitere Anlagen hinzu. In den ersten fünf Jahren sind somit mehr als 15.000 MW betroffen.

Das Ende der Förderung betrifft damit alle Anlagen, die ab 2001 in Betrieb gingen. Und für diese Anlagen fiel die garantierte Einspeisevergütung noch wesentlich höher aus als heute. Interessant ist dabei, dass die Anlagen ja nicht aus dem Erneuerbaren-Energien Gesetz als solches herausfallen, sondern nur aus der Vergütungspflicht. Die weiteren Regelungen des EEG gelten erst einmal für diese Anlagen weiter, so z.B. auch die Pflicht des Netzbetreibers, für diese Anlagen einen Einspeisepunkt zur Verfügung zu stellen. Auch die technischen Vorgaben des EEG an die Betreiber, z.B. das Einspeisemanagement bei Großanlagen, gelten weiter.

Sollten Sie Anlagenbetreiber sein, so verlieren Sie eine sichere Abnahme des produzierten Stromes und eine festgeschriebene Vergütung. Haben Sie EEG-Anlagen in Ihrem Netzgebiet, behalten Sie den Einspeisepunkt, könnten aber den Kunden an ein anderes Energieversorgungsunternehmen verlieren. Sie haben Kunden, die Interesse an grünem Strom aus diesen Anlagen haben und bereit sind, diesen Mehrwert zu vergüten.

Egal zu welcher der Gruppen Sie gehören, Sie sollten sich auf die Veränderungen vorbereiten. Wir wollen Ihnen im Folgenden einen grundsätzlichen Einblick in die jeweilige Thematik geben.

Anlagenbetreiber

Sie sind Betreiber solcher Anlagen, die 2021 oder später aus der sicheren Vergütung fallen. Neben den großen Veränderungen in der Energieerzeugung in den kommenden Jahren (u. a. Atom- und Kohleausstieg), können wir es uns als ein solcher Marktplayer nicht leisten in den nächsten fünf Jahren über 15.000 MW an erneuerbarer Erzeugungsleistung zu verlieren. Den neben der unsicheren Versorgungslage wären zudem die energiepolitischen Ziele der Bundesregierung, bis 2030 den Anteil der Erneuerbaren an der Stromversorgung auf 65% zu steigern, sehr gefährdet. Daher stellen sich nun die Fragen:

Was wird aus diesen älteren EEG-Anlagen? Was bedeutet es für Sie als Betreiber einer EEG-Anlage, wenn die auf 20 Jahre festgeschriebene Vergütung für den eingespeisten Strom ausläuft? Repowering oder Weiterbetrieb?

Grundsätzlich ist zu prüfen, inwieweit ein Ersatz der Anlage (Repowering) möglich und betriebswirtschaftlich sinnvoll ist. So kann etwa durch neue gesetzliche Rahmenbedingungen (z. B. veränderter Abstandsregeln oder ähnliches) die Chance für ein Repowering eingeschränkt sein. Die Alternative ist ein Weiterbetrieb der bestehenden Anlagen, schließlich sind die Finanzierungen getilgt und die Anlagen abgeschrieben.

Der Weiterbetrieb der Anlagen kann in verschiedenen Formen erfolgen. Entweder zur weiteren Vermarktung des erzeugten Stroms über einen Energieversorger oder zum Eigenverbrauch. In beiden Fällen muss vorher geprüft werden, ob die zu erwartenden Erlöse und die zu erzielenden Einsparungen die Kosten für den Betrieb und die Instandhaltung der alten Anlagen mindestens kompensieren. Grundsätzlich besteht nach Ablauf der Förderung weiterhin ein Anspruch auf Netzanbindung und Einspeisung des erzeugten Stroms.

Eine mögliche Lösung, um ältere Erneuerbare-Anlagen auch nach Ablauf der EEG-Förderung wirtschaftlich weiter zu betreiben, sind Fixpreismodelle, sogenannte Power Purchase Agreements – PPA (Stromliefervertrag). Dabei verkaufen Sie als Anlagenbetreiber die produzierten Strommengen zu einem festen Preis an einen Energieversorger. Die vereinbarte Entlohnung orientiert sich dabei an den Terminmarktpreisen zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses und den zu erwartenden Erzeugungsprofilen Ihrer Anlagen. Dies bietet die maximale Planungssicherheit für Sie als Anlagenbetreiber.

Neben dem reinen Marktwert des Stromes sollten Sie die „Qualität“ des grünen Stromes veredeln. Verkaufen Sie daher den Strom immer als zertifizierten Grünstrom zu einem höheren Fixpreis. Da Sie aktuell noch eine Vergütung aus dem EEG erhalten dürfen Sie aufgrund des Doppelvermarktungsverbotes diesen Strom nicht zertifizieren lassen. Nach Auslaufen der Förderung entfällt dieses Hindernis und in Deutschland produzierter Wind- und Solarstrom könnte mit einem Aufschlag als Grünstrom vermarktet werden.

Energieversorgungsunternehmen / Stadtwerke

Sie haben Anlagenbetreiber als Kunden (z. B. für den Bezug von Eigenverbrauchsstrom) und wollen diese Kunden nicht an andere Energieversorgungsunternehmen verlieren oder Sie haben Endkunden, die bereit sind grünen Strom aus deutschen erneuerbaren Quellen zu beziehen und den Mehrwert zu vergüten?

Dann sollten Sie sich mit dem Thema PPA und damit verbunden Chancen und Risiken befassen, um die Position Ihres Unternehmens in der Energiewende zu stärken. Bei einigen Unternehmen ist das Thema PPA schon sehr präsent. Andere fangen aktuell an, sich mit der Thematik zu befassen. Bei der Umsetzung gibt es verschiedene Herangehensweisen. Welche für Ihr Unternehmen die bessere ist, hängt von den individuellen Voraussetzungen in Ihrem Unternehmen ab.

Grundsätzlich haben Sie die Möglichkeit einen Stromliefervertrag (PPA) mit dem Anlagenbetreiber zu schließen oder bedienen Sie sich hier eines Dienstleisters mit der notwendigen Infrastruktur. Hier gibt es Anbieter, die dieses Produkt als sogenanntes White-Label-Produkt anbieten. D. h. Sie bleiben weiterhin aus den Augen des Anlagenbetreibers der Vertragspartner, während der Dienstleister, der im Hintergrund die komplette Abwicklung für sie übernimmt, für den Anlagenbetreiber nicht ersichtlich ist.

Egal für welche Variante Sie sich entscheiden, Sie müssen sich mit den jeweiligen Chancen und Risiken auseinandersetzen. Nur so können Sie basierend auf den Voraussetzungen in Ihrem Unternehmen die optimale Aufstellung finden. Daher wollen wir Ihnen hier einen kleinen Einblick über die Chancen und Risiken eines PPAs beziehungsweise eines Portfolios an Erzeugungs- und Abnahmestellen geben.

Chancen und Risiken

Die Laufzeiten solcher Lieferverträge sollten sich u. a. am Zustand der Anlagen orientieren und belaufen sich üblicherweise auf mehrere Jahre. Somit haben Sie die Chance, grünen Strom zu einem Fixpreis direkt vom Anlagenbetreiber zu beziehen. Dieser grüne Strom sollte nun zu einem höheren Preis an ihre interessierten und umweltbewussten Kunden weiterverkauft werden.

Hieraus ergeben sich bereits die ersten Chancen und Risiken. Sie werden als innovatives Unternehmen wahrgenommen, dass sich vor dem Hintergrund der heutigen Diskussion mit Themen wie Nachhaltigkeit und Klimaschutz beschäftigt. Sie können umweltbewusste Produkte mit längeren Laufzeiten anbieten und preislich absichern. Aber bereits die Ermittlung eines Fixpreises für eine dargebotsabhängige Erzeugung stellt Risiken dar. Wann wird der Strom erzeugt? Sind alle Anlagen in einem einwandfreien technischen Zustand? Wer übernimmt das Risiko von Nichtverfügbarkeiten? Woher kommt der Strom, wenn kein Wind weht oder keine Sonne scheint?

Bei der Vertragsgestaltung mit ihren umweltbewussten Kunden ist zu definieren welche „Qualität“ des grünen Stromes Sie liefern, da der grüne Strom ggfs. nicht zeitgleich zur Abnahme des Kunden erzeugt werden kann. Sie sollten auch mit der Kundenseite vergleichbare Vertragslaufzeiten wie mit den Produzenten wählen. Was passiert, wenn ihr Kunde ausfällt? Oder seine Abnahmemengen sich erhöht oder verringert?

Ein solches Portfolio von Bezugs- und Abnahmeverträge benötigt ein aktives Portfoliomanagement. Darunter ist u.a. das Management der Prognosen der wetterabhängigen Erzeugung gemeint. Fehlende oder überschüssige Mengen müssen am Spot- und Intradaymarkt ausgeglichen werden. Welche Instrumente gibt es gegen Preisspitzen, die in Zukunft aufgrund der Unsicherheiten von Atom- und Kohleausstieg und einer stark wetterabhängigen Erzeugung in Deutschland auftreten können? Welche dieser Leistungen bzw. Instrumente können Sie als Dienstleistungen einkaufen?

Wieder mal eine neue und unbekannte Situation für alle Beteiligten im Energiemarkt. Daher gibt es hier auch bei der Frage der optimalen Aufstellung für Ihr Unternehmen kein Schwarz oder Weiß. Bei der Wahl des richtigen Grautons können wir Ihnen behilflich sein.

Sprechen Sie uns an!