Montag, 02. September 2019
Batteriekraftwerk in Bordesholm zeigt technische Lösung zum kompletten, vernetzten Umstieg auf Erneuerbare Energien

Seit dem Beschluss der Bundesregierung aus der konventionellen Energieerzeugung auszusteigen, steht das Problem der zwingend notwendigen Systemstabilität bei einer rein erneuerbaren Energieversorgung im Mittelpunkt der technischen Herausforderung der Energiewende.

Das 2019 in einem rechteckigen Gebäude von rd. 18 m mal 26 m Grundfläche mit einer Höhe von ca. 4 m untergebrachte Batteriekraftwerk in Bordesholm (Kreis Rendsburg-Eckernförde in Schleswig-Holstein) soll den Beweis antreten, dass eine dauerhaft systemstabile erneuerbare Stromversorgung funktioniert und eine technische Lösung zum kompletten, vernetzten Umstieg auf Erneuerbare Energien möglich ist. Das Batteriekraftwerk besteht aus 47.256 Lithium-Ionen-Zellen mit einer Kapazität von je 96 Ah. Die Leistung des Speichers beträgt max. 17,5 MVA mit einer vermarktbaren Leistung am Primärregelenergiemarkt (PRL) von 10 MW. Die Speicherkapazität beträgt 15 MWh. Zum Vergleich: Die rd. 7.500 Einwohner/ Innen zählende Gemeinde Bordesholm hat eine Leistungsspitze von max. rd. 4,4 MW.

Das Batteriekraftwerk ist in der Lage, die Frequenz im Verbundbetrieb als auch im sogenannten Inselnetzbetrieb schnell und stabil bei 50 Hz zu halten. Ist zu viel Energie im Netz, dann nimmt das Batteriekraftwerk Energie auf, bei zu wenig Energie im Netz gibt die Batterie wieder Energie ab. Der Vorteil dieses Batteriekraftwerkes ist die enorme Geschwindigkeit, mit der auf diese Frequenzschwankungen reagiert werden kann. Die Reaktionszeit liegt zwischen 20 und 200 Millisekunden. Damit ist es geeignet, einen Inselnetz¬betrieb auf unbestimmte Zeit, bei Ausfall des vorgelagerten Übertragungsnetzes, für ganz Bordesholm sicherzustel¬len. Hierbei ist es jedoch erforderlich, dass die Einspeisung aus erneuerbaren Energieanlagen, die an das Stromnetz von Bordesholm angeschlossen sind, in einem Zeitraum von 2-3 Stunden dem Verbrauch in Bordesholm entsprechen. Den physikalisch notwendigen genauen Ausgleich der Frequenz im Millisekunden Bereich übernimmt das Batteriekraftwerk. Diese bisher in Europa einzigartige Zusatzfunktion zur Herstellung einer Inselnetzfähigkeit für ein öffentliches Stromnetz, wurde von der EU mit rd. 1,5 Mio.€ gefördert. Zur Refinanzierung der Baukosten in Höhe von rd. 10 Mio.€ stehen verschiedene Vermark¬tungsmöglichkeiten des Speichers zur Verfügung. Die momentan anspruchsvollste, aber am besten vergütete Vermarktungsmöglichkeit liegt nach Einschätzung des Geschäftsführers der Versorgungsbetriebe Bordesholm, Frank Günther, im Primärregelenergiemarkt, ermöglicht eine angedachte Amortisation in etwa 15 Jahren.

Sie haben Fragen rund um das Batteriekraftwerk in Bordesholm? Herr Frank Günther stehen Ihnen gerne als Ansprechpartner zu Verfügung.